Navarino und Olympia

Ergänzungen zum Törnbericht in „segeln 1/2000“*

   Navarino

Am Eingang der Bucht von Navarino folgten wir dem Kurs jener britisch-russisch-französichen Flotte, die hier am 26. Oktober 1827 gegen 13.30 Uhr einlief. Eigentlich wollte man nur durch schiere Anwesenheit die Türken zu etwas humanerem Umgang mit der Bevölkerung der Peloponnes veranlassen. Ein türkisches Schiff jedoch geriet in Panik – und schon war die Seeschlacht von Navarino im Gange (die letzte mit Segelschiffen übrigens). Sie endete mit der Vernichtung der gesamten türkischen Flotte; über 6000 Opfer waren zu beklagen. Der endgültige Verlust der türki-

schen Seeherrschaft wurde zum Grundstein für einen souveränen griechischen Staat – und stolz zeigen die heutigen Griechen den Touristen die auf dem Grunde liegenden Ergebnisse einer Schlacht, die andere für sie geschlagen haben. Verschwiegen wird auch gerne, dass das Gemetzel eigentlich von beiden Seiten nicht gewollt war (der siegreiche britische Admiral wurde deshalb degradiert). Es war der gleiche Mechanismus wie heute auf dem Balkan: Durch militärischen Druck erzeugt man nicht Humanismus, sondern erst recht Krieg.**

Navarino, Sphakteria

Navarino ist kein italienischer Name, sondern kommt von den Awaren, einem reiternomadischen Turkvolk aus Innerasien, das um 600 - 900 nach Chr. das heutige Ungarn und Dalmatien und sogar Teile der Peloponnes („Ton Avarino“) beherrschte. Diese große Bucht wird im Westen von der Insel Sphakteria begrenzt. Um diese wurde schon während des Peloponnesischen Krieges gekämpft: Auf der Insel war ein spartanisches Heer von der athenischen Flotte umzingelt. Über zwei Monate lang fuhren die athenischen Dreiruderer Tag und Nacht rund um die Insel Wache. Die Spartaner mussten heimlich versorgt werden. In Beschreibung des Zeitgenossen Thukydides hört sich das so an: „Auch schwammen sie hinüber … Taucher zogen an Stricken Schläuche nach mit Honigmohn und gestampften Leinsamen“.  Schließlich wurden die Spartaner doch gefangen genommen.  Das war 425 vor Christus.

 

Olympische Spiele, das kann man derzeit leicht berechnen, gab es erstmals vor genau 2006 plus 776 Jahren. Am Anfang standen die Laufwettbewerbe. Das alte und neue Wort "Stadion" bedeutete ursprünglich eine Wegstrecke – ein olympisches Stadion hatte 192 Meter (ein römisches 185 m). Wir wissen nicht, wie schnell die Sieger der antiken Spiele gelaufen sind.

Aber wir könnten im Jahr 2000 wenigstens dies von ihnen lernen: Während der Spiele wurde in ganz Griechenland jede kriegerische Aktivität eingestellt, damit sich in dieser Zeit alle zum Sport vereinen konnten, als Aktive oder als Zuschauer. Dem würde in unserer Zeit ein weltweiter Waffenstillstand entsprechen. Nur eine Illusion? Immerhin eine historische Realität!

 

Übrigens können wir auch lernen, dass es schon damals das Problem des Sportmissbrauchs gab, und wie man damit umging. Anregung: Das mit den "Zanes" könnte bei den überlegen lächelnden italienischen Fußballfunktionären im Sommer 2006 wenigstens die Eitelkeit dämpfen (s. Kasten):


Missbrauch der Olympischen Regeln

Die Sockel der „Zanes“ stehen noch. Das sind bronzene Zeusstatuen: „Diese wurden aus den Strafgeldern gemacht, die Athleten auferlegt wurden …zuerst sechs in der 98. Olympiade [also im Jahre 388 v. Chr.]. Denn der Thessaler Eupolos bestach die Faustkämpfer mit Geld, den Arkader Agetor und den Kyzikener Prytanis und mit ihnen Phormion, der aus Halikarnass stammte und an der Olympiade vorher gesiegt hatte.… Es war der Sinn der Inschrift, dass sie eine Lehre für alle Griechen sei, und dass niemand wieder für einen olympischen Sieg Geld geben solle“. Soweit der antike Schriftsteller Pausanias, der 150 nach Chr. den ersten „Reiseführer Griechenland“ schrieb.  Pausanias sah die zitierten Namen auf den Säulen noch selbst.   

Vom größenwahnsinnigen römischen Kaiser Nero sagte man, er sei auf der 211. Olympiade im Jahre 67 nach Chr. zum Sieger im Wagenrennen erklärt worden, obgleich er nicht einmal das Ziel erreichte. Und als er im Musikwettbewerb sang, ließen sich einige der Pflichtzuschauer als Scheintote aus der Echo-Halle tragen – denn anders war den grausamen Tönen des Siegers nicht zu entkommen




* ursprünglich wollte die Zeitschrift den Text auf zwei Hefte verteilen – bevor der Kürzungsteufel eingriff
** Ich erlaube mir, dies auch auf den Irak-Krieg des Präsidenten G.W. Bush 2003 anzuwenden (aus der Sicht von 2007)