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NAUTISCHE NACHRICHTEN DER KREUZER-ABTEILUNG (NNKA)


Juni 2009

NEUERSCHEINUNGEN

Frühere Rezension
Wundbehandlung
Vgl. Leseprobe 2012

Reisen mit Vorerkrankungen

Praktische Hinweise für die Beratung von Reisenden mit Gesundheitsrisiken


Wenn ein Fahrtensegler dieses Buch liest, könnten seine Sorgen um die Gesundheit eher wachsen. Er weiß ja, dass auf seinen landfernem Törns kein Krankenhaus oder Facharzt in der Nähe ist, und hofft bei Beschwerden auf baldigen Landfall. Dabei mag er vergessen, dass es sehr darauf ankommt, welches Land ihn erwartet: Gibt es gute Ärzte und Krankenhäuser? Wird dort sein Handy funktionieren, und kann er problemlos seinen Hausarzt oder Spezialisten in der Heimat anrufen? Welche Verständigungs-möglichkeiten bestehen? Und erlaubt die Infrastruktur des Landes gute Transportmöglichkeiten an Land und gegebenenfalls eine Rückreise bzw. Rückholung mit dem Flugzeug nach Hause?

In einer wachsenden Zahl von Ländern sind die Bedingungen gut oder ausreichend, wie das neu herausgekommene Buch "Reisen mit Vorerkrankungen" des Centrums für Reisemedizin (www.crm.de) in Düsseldorf zeigt. Unter den "Neuen" sind so wichtige Reiseländer wie Japan, China, Russland, Kroatien, Portugal und Spanien, aber auch Kuba, die Malediven, Ekuador mit Galapagos und Rumänien. Alle Informationen über die Infrastruktur - Mobilnetzabdeckung, Notrufnummern, Versicherungsfragen, Meteorologie, sogar die Druckkammern für Tauchunfälle - und die Landkarten mit wichtigen Straßen, Flughäfen und den medizinischen Gegebenheiten sind aktualisiert oder völlig neu; eine im Detail beeindruckende Leistung.

Allerdings ist auch deutlich erkennbar, wieviele Menschen auf dieser Erde noch mit keiner oder sehr technikferner Medizin auskommen müssen - und mit ihnen die Segler, die dort anlanden. Ein kurzer Blick auf Indien, Russland, Nordbrasilien oder die indonesischen Inseln zeigt das Problem, während z. B. Namibia, Senegal, Tunesien und die Türkei weit besser versorgt sind als mancher erwartet.

Natürlich reicht es nicht, sich nach medizinischer Top-Versorgung umzuschauen und dann unbesorgt loszufahren. Deshalb kümmert sich der umfangreiche erste Teil des Buches um die große Gruppe der chronischen Krankheiten, deren Stand vor der Reise zu Hause abzuklären ist. Das geht alphabetisch von Alkoholabhängigkeit bis Thrombose/Embolie und Varikosis und umfaßt so wichtige Gebiete wie Asthma, Glaukom, Hepatitis, HIV/Aids, Bluthochdruck, Colitis, Neurodermitis, Rheumatismus, Multiple Sklerose, Parkinson und Tumor-Erkrankungen.

Ein eigenes Kapitel haben jetzt auch Arterielle Verschlußkrankheit, Cor pulmonale, Morbus Crohn und Colitis, Leistenbrüche sowie Gallen- und Pankreas-Erkrankungen.

Die einzelnen Krankheiten werden nach einem einleuchtenden Einteilungsprinzip abgehandelt: Reisefähigkeit - Riskoabwägung - Spezielle Vorsorge (z. B. Impfen) - Besondere Umwelteinflüsse (Flugreise, Tropenklima, Wüstenklima, Höhenaufenthalt, Kälteexposition) - Besondere Aktivitäten (Tauchen, Leistungssport etc.) - Rückkehrer (Nachsorge). Zusätzlich fndet man im alphabetischen Teil eine Beratung für "Besondere Lebenssituationen": Anus praeter, Behinderung, Frühgeburtlichkeit, Implantatträger, Kinder, Postoperative Phase, Schwangerschaft, Senioren und Transplantatträger. Dem Rezensenten erschien dies als die wichtigste und am meisten rühmenswerte Ergänzung gegenüber der Erstauflage.

Die Auswahl der Krankheiten ist genau kalkuliert: Es fehlen eigentlich nur reisemedizinisch nicht relevante Erkrankungen und sehr seltene Störungen. Die drei abschließenden Kapitel über Krankenversicherungsschutz, Medikamente auf Reisen sowie wichtige Musterbescheinigungen und -formulare sind um eine gründliche und einleuchtende Darstellung der Einnahme von Medikamenten bei Zeitverschiebung erweitert.

Das alles erleichtert dem Arzt seine Überlegungen, aber auch dem betroffenen Laien, für den es kein Werk in deutscher Sprache gibt, das die dargestellten Probleme so gründlich und überzeugend beantwortet. Man kann ihm das Buch empfehlen, auch wenn es vor allem den beratenden Allgemeinmediziner anspricht. Wer unter "Vorerkrankungen" und Risiken leidet, ist meist ohnehin schon Fachmann genug, um alles gut zu verstehen.

Eine neue Generation der Reisemediziner hat vom alten Herausgeberteam übernommen, man kann ihr gratulieren.

Dr. Frank Praetorius

"Reisen mit Vorerkrankungen. Praktische Hinweise für die Beratung von Reisenden mit Gesundheitsrisiken." CRM-Handbuch 2009. Hrsg. Centrum für Reisemedizin GmbH. 214 Seiten. ISBN 978-3980714297. € 39,80.

NAUTISCHE NACHRICHTEN 2/2009              WWW.KREUZER-ABTEILUNG.ORG        Seite 135-136

[Siehe diese Rezension in "amazon", mit Bestellmöglichkeit]

 






  ['Nautische Nachrichten' Dezember 2006]

Reisen mit Vorerkrankungen, 1. Auflage.
Auszug aus der Rezension, Dezember 2006

Für ältere oder nicht ganz gesunde Fahrtensegler mit Zielen außerhalb der gewohnten medizinischen Versorgung stellen sich die typischen Fragen der Reisemedizin: Welche besonderen Risiken gibt es im Reiseland? Welche Untersuchungen muss ich vorher durchführen lassen und welche Impfungen? Kann ich von dort meinen Hausarzt oder Facharzt anrufen und um seinen Rat bitten? Wo kann mein Arzt (der ja z. B. kein Tropenspezialist ist) die für seine Beratung nötigen Informationen erhalten? Wie steht es im Falles des Falles mit der medizinischen Versorgung, gibt es gute Ärzte und Krankenhäuser?

Man könnte antworten, dies seien Fragen an ein Medizinbuch für Laien und an ein anderes für Ärzte. Aber obgleich das Buch "für die Beratung", speziell für die Ärzte des Zentrums für Reisemedizin geschrieben ist, kann man es auch dem interessierten "Kunden" empfehlen. ...

.....

Ganz nebenbei ist dem Autorenteam etwas Bemerkenswertes gelungen: Von der Ausbildung her sehr verschiedene Autoren - sie sind Fachärzte für Tropenkrankheiten, Kardiologie, Sportmedizin, Arbeitsmedizin, Flugmedizin, Innere Medizin und Infektiologie, Angiologie und Intensivmedizin - haben es vermocht, ein konzentriertes Buch auf hohem Niveau zu schreiben, das sich als sprachliche und thematische Einheit präsentiert und verständlich geschrieben ist. Das ist wohltuend angesichts jener demotivierenden Spezialisteneitelkeit in vielen medizinischen Lehrbüchern, mit ihrer ungebremsten Überschätzung des jeweiligen Spezialgebiets.

[Siehe die Rezension in "amazon"]

 
NAUTISCHE NACHRICHTEN 3/2009              WWW.KREUZER-ABTEILUNG.ORG        Seite 34-46

Wundbehandlung an Bord[1]



 Wundreinigung mit Wasser, Seife (kein Benzin); dann mit einem Breitband-Antiseptikum (Octenisept®) einpinseln.

 Hydrokolloidverband anlegen (Varihesive® E, Suprasorb® H; Cutinova®): selbsthaltend, abdichtend, wasserfest.

 Klassische Wundpflaster nur noch als mechanischer Schutz bei kleinen Wunden

 Pflasterzugverband (Klammerpflaster).

 Chirurgische Hautnaht nur nach Ausbildung vornehmen.

Eine Infektion kann die Wundheilung endlos verzögern. Diese Gefahr hat in warmen Revieren größere Bedeutung, weil Bakterien bei hohen Außentemperaturen schlicht besser wachsen: Wundreinigung ist dort besonders wichtig. oben

 

Wundreinigung

Man kann durchaus Wasser und Seife, sollte aber nie scharfe Reinigungsmittel wie Benzin verwenden. Wichtig ist die Entfernung von festen Teilchen wie Splittern und Stoffresten, ebenso von toten Gewebeteilen (Muskel, Fett), auf denen Bakterien hervorragend wachsen. Öl und Schmiermittel wird man vorsichtig von der Oberfläche "abnehmen", nicht wegreiben.

An Bord geht das meist nicht anders als mit dem sauberen Handtuchzipfel und warmem Wasser. Eine Pinzette ist wünschenswert - man kann sie in der Feuerzeugflamme kurz desinfizieren.

Kleine Schürfwunden kann man mit Octanisept® einpinseln oder einfach säubern und trocken verbinden (oder nur Frischluft!).


Größere oberflächliche Wunden (ohne Naht)

So etwa ab 1 cm Durchmesser bevorzugen wir die o. g. hydroaktive Wundversorgung mit Cutinova®, Suprasorb® H oder Varihesive® E: Nach Reinigung der Wunde wird dieser selbsthaltende Verband passend zugeschnitten (gut 3 cm über die Wundränder hinausreichend) und nach Entfernung der Schutzfolie in einer rollenden Bewegung (siehe Bild) aufgelegt und angedrückt - fertig. Er braucht meist erst nach bis zu sieben Tagen gewechselt zu werden, falls sich nicht vorher eine Blase in Wundgröße bildet (dann sollte man den Verband sofort erneuern). Die Sache ist den etwas höheren Preis wert. Durch Zuschneiden von kleineren Stücken aus den 10x10 cm großen "Platten" lässt sich viel sparen.

Natürlich gibt es nicht "den" Wundverband, der allen Wunden gerecht wird. Aber für die Situation an Bord sind Varihesive® etc. ein guter Kompromiss. Die Ausnahme sind Wunden mit sehr viel Sekret und solche, die in der Tiefe Organstrukturen wie Sehnen, Muskeln oder Knochen erkennen lassen. Dann bleibt nur das Abdecken mit Mull und - möglichst bald - chirurgische Versorgung.

Klaffende, offene Wunden: Nähen oder kleben? Ärzte bereiten die Wundränder durch Wundausschneidung mit dem Skalpell für die Naht vor, indem sie glatte und saubere Wundränder schaffen. Wir kommen auch ohne das zum Ziel, indem wir sie der "sekundären Wundheilung" überlassen - nur mit beträchtlicher Narbenbildung.

Klammerpflaster

Man kann sich ein Klammerpflaster aus einfachem Pflaster zurechtschneiden und damit eine schmale Pflaster-"Brücke" über die Wunde ziehen: Als mir die Sache mit dem Großbaum nach Jahrzehnten doch passierte (3-cm-Kopfplatzwunde), machte meine Frau mangels Nahtmaterial einen Pflasterzugverband: Die Wundränder wurden mit schmalen Pflasterstreifen geschickt adaptiert und zusammengezogen. Das heilte in 5 Tagen so gut, dass an Land keine Naht mehr erforderlich war [der Chirurg bot der Wundärztin eine Stelle an ]. Heute gibt es gut

  aus "Gesund an Bord"

vorgeformte Fertigprodukte (z. B. Omnistrip® oder Steristrip®). Vor dem Aneinanderfügen (Adaptation) der Wundränder sollte man Haare vorsichtig wegrasieren. Man fügt die Ränder so zusammen, dass ein kleiner Spalt (knapp ein Millimeter) bleibt: So kommt Sauerstoff ans Gewebe und die Absonderung von Wundsekreten wird nicht behindert. Das gilt auch für die chirurgische Naht.

Klassische "chirurgische" Naht

Wenn die Klammerpflaster bei zu großen Wunden nicht halten, geht es nur mit Nadel und Faden. In dieser Situation sollte der dafür nicht ausgebildete Laie sich fragen, ob es nicht besser ist, einfach zu verbinden und nach spätestens etwa 8 Stunden die Naht durch einen Arzt ausführen zu lassen. Für denjenigen, der's gelernt hat, seien noch einmal Details wiederholt: Zunächst Nadelhalter und Pinzetten 20 Minuten auskochen (falls sie nicht steril verpackt sind. Sterile Handschuhe wären auch an Bord gut). Die Nadel wird jetzt ungefähr senkrecht vom Wundrand durch die Haut beider Ränder geführt, zuerst von außen nach innen und dann umgekehrt. Danach verknotet man den Faden unter Spannung mit einem "chirurgischen Knoten" (eine Art doppelt gelegtem Kreuzknoten). Nach knapp 10 Tagen können die Fäden entfernt werden - am besten von einem Arzt, der dann das Ganze erst einmal besichtigt.

[1]Textbeispiel aus F. Praetorius, NAUTISCHE NACHRICHTEN 3/2009: "Erste Hilfe bei Verletzungen"