Musik & Kultur in Offenbach

Offenbach – eine Mozartstadt?

Das mag manchen überraschen. Aber sie ist es nicht nur für mich – weil ich da eben Musik mache – sondern seit 2006 ganz offiziell: Mozartstadt Offenbach!!

Dazu kam es durch einen historischen Zufall. Auf einer Geschäftsreise im Jahr 1799 sah der Offenbacher Komponist, Musikalienverleger und Notendrucker Johann Anton André in einer Münchner Zeitung die Anzeige, in der Alois Senefelder* für sein neues Verfahren warb. Bei der Vorführung war er sofort überzeugt: "75 Seiten in einer Viertelstunde, wovon immer zwei zugleich gedruckt wurden". Das ergab – modern ausgedrückt – "Schnäppchenpreise": 6 Kreuzer je Bogen statt wie bisher 24 bis 30 Kreuzer für Kupferdrucke.
Auf derselben Reise besuchte André in Wien die Witwe Mozarts, Constanze, – und erwarb von ihr den gesamten Nachlass mit über 273 Originalmanuskripten.** Der Vertrag mit Constanze kann im Offenbacher Museum besichtigt werden. André erwarb das Patent ... Geheimnis, Noten und Bilder auf Stein drucken zu können ...“ und Senefelder lernte die Arbeiter der Firma André an der Steindruckpresse an. Ab dem Jahr 1800 erschienen Mozarts Werke in Offenbach.

Alle Musiknoten aus der Andrëschen Notenfabrique waren nun erstmals für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich, da man mit einem einzigen Abzug hohe Auflagen drucken konnte. Das war – so sehe ich das – der eigentliche Beginn der Hausmusik, die bisher nur für die Fürstenhäuser und Kirchen und sehr begrenzt durch organisierten Notenverleih möglich war. Die rasante Entwicklung der bürgerlichen Kammermusik im 19. Jahrhundert konnte beginnen!
Mozartstadt "OF"
Logo (Mozartjahr
2006, G. Kieser)

              
* 1771–1834; Senefelder entdeckte bei Vervielfältigungsversuchen 1796–98, dass Solnhofener Kalkschiefer nur an mit Fettfarbe versehenen Stellen Druckfarbe annimmt. Er erfand das Verfahren nicht für künstlerische Zwecke, sondern um seine "Theaterstücke mit Musik" selbst vervielfältigen zu können. Es wurde die Erfindung der Lithographie mit der Steindruckpresse (im Museum der Stadtgeschichte zu besichtigen).
** "Die Frau Wittwe Mozart [vgl. Zitat: "itzt kommt mir ein gar gewaltiger Skrupel"] in Wien, hat mir die sämmtlichen ihr hinterbliebenen Manuscripte ihres Mannes, käuflich überlassen" (Johann Anton André, Offenbach, 31. Januar 1800).

Offenbach – als Kulturstadt

Das hat bereits Goethe so gesehen: "Offenbach am Main zeigte schon damals bedeutende Anfänge einer Stadt, die sich in der Folge zu bilden versprach. Schöne, für die damalige Zeit prächtige Gebäude hatten sich schon hervorgetan" ... weiterzulesen in "Dichtung und Wahrheit" (Siebzehntes Buch) ...

Sophie von La Roche, Portrait von Georg Oswald May 1776 Die Schriftstellerin Sophie von La Roche, deren Tod in Offenbach sich 2007 zum 200. Mal jährte.

Sophie von La Roche war die erste Bestseller-Autorin der deutschen (Literatur-)Geschichte. Ihr empfindsamer Briefroman »Geschichte des Fräuleins von Sternheim« (1771) begeisterte die Zeitgenossen und begründete ihren Ruhm. Goethe's Werther wurde davon inspiriert: "Sie war die wunderbarste Frau ..." (das war 1772). Die letzten 21 Jahre ihres Lebens lebte sie in der Offenbacher Domstraße.

Am interessantesten war die Ausstellung "Meine Freiheit, nach meinem Charakter zu leben", die vom 21.10.2007 bis 06.01.2008 im Haus der Stadtgeschichte zu sehen war.

In eigener Sache siehe 25. Juli 2015


Wichtige Kulturinstitutionen in Offenbach:

  • Hochschule für Gestaltung (HfG)
    Im ersten Ranking der deutschen Kreativhochschulen im »Focus« (Ausgabe 22/2006) hat die kleinste Hochschule Hessens die Spitze erklommen (lediglich die angesehene Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart kommt dicht an Offenbach heran).
    Jährliche Gemeinschaftsproduktion mit Offenbacher Künstlern (Ausstellung) "Kunstansichten" (2015)

  • Stadt-Logo seit 2009


  • Klingspor-Museum für nationale und internationale Schriftkunst. Siehe auch Buchkunst aktuell 2015

  •    2009 Neuerwerbung: «Totengesänge» ("Le Chant des Morts") von Pablo Picasso. Besichtigung nach Anmeldung (Tel. 069 8065-2954) möglich.

    Und wie wäre es mit einem Besuch der einzigartigen Kinderbuch-Ausstellung 'Kinderwelten', jährlich November - Februar. Beispiel: 'Hänsel und Gretel' von Kveta Pacovská?

  • Deutsches Ledermuseum mit Museum für angewandte Kunst und Ethnologisches Museum, Lederkulturen der Welt!
       "Folle Gabare XXVI" oder auch "La Folie Gargantuine" nannte der französische Künstler Michel Raimbaud sein Werk, das er 1990 auf dem Vorplatz des Ledermuseums erbaute. Die Dame kam in die Jahre - der Alterungsprozess des Leders war Teil des Konzeptes. Deshalb gibt es das Kunstwerk seit 2012 nur noch auf dieser Homepage zu sehen → ! Die Patina in moosig-grün hob die Wirkung gebrochener Schwemmholzstämme gekonnt auf ....               →  Bild vergrößern!  →
  • Michel Raimbauds

  • Büchnerjahr 2013 -

    "Der Hessische Landbote von Butzbach nach Offenbach"


    In einer Julinacht 1834 brachten Carl Georg Büchner und Jacob Friedrich Schütz das Manuskript der Flugschrift "Der Hessische Landbote" , ein achtseitiges Pamphlet gegen die sozialen Missstände der Zeit, von Butzbach nach Offenbach. Dort wurde die Flugschrift von der Druckerei Preller in einer kleinen Auflage illegal gedruckt. Die jungen Revolutionäre mussten bei ihrer Wanderung mehrere Landesgrenzen passieren und aufpassen, nicht von den Ordnungsorganen ergriffen zu werden.

  • Der Hessische Landbote
    Bild vergrößern!


  • Konzerte:
    Reihe »Senza Piano« (Konzertreihe des Offenbacher Kulturamts im Saal der Sparkasse).
    16.06.09 Leopold Jansa Duo Christine Rox (V) und Klaus Dieter Brandt (Vc)
    26.10.09 Trio Askabé Astrid Cienia (Oboe), Karsten Meier (Klarinette), Bernd Schneider (Fagott)
    23.11.09 Kammermusikakademie der Fränkischen Musiktage (Oktett) Felix Mendelssohn Bartholdy - Louis Spohr.
    12.04.12 Manuel Fischer-Dieskau, Cello
    05.11.12 Fränkische Musiktage 2012 (Septett-Nonett): Ludwig van Beethoven: Septett Es-Dur op. 20, Louis Spohr: Nonett F-Dur op. 31, Johannes Brahms: Serenade D-Dur Nr. 1 op. 11, Laura Ruiz Ferreres, Klarinette
    10.06.13 Cypress String Quartett: Mozart Streichquartett KV 465, Kevin Puts (1972) Lento assai, Beethoven f-Moll-Quartett op. 95.
    10.09.13 Christian Wissel (Schlagzeug), Matthias Raggl (Tuba)
    29.04.14 Isenburg Quartett (aus: Ensemble Modern), u. a. Hindemiths "Minimax"
    03.11.14 Music Campus Rhein Main
    09.11.15 Music Campus Rhein Main (früher: Kammermusikakademie der Fränkischen Musiktage)
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    Höhepunkte des Offenbacher Mozartjahres 2006 (Auszug):
    »Johann Anton André (1775 - 1842) und der Mozart-Nachlass. Ein Notenschatz in Offenbach am Main«. Ausstellung vom 29. Januar bis 28. Mai 2006. Zitat: "Wittwe Mozart hat mir sämmtliche Manuscripte ihres Mannes überlassen". Katalog erhältlich.

    03. September, Büsingpalais 11:00 Uhr: "Mozart in Love", Matinée mit Dirk Eisermann (Tenor), Andreas Reichel (Klavier), Stefan Vurchio (Rezitation)

    12. September, Garten der Steinmetz'schen Buchhandlung: "Musik & Literatur gehen gemeinsame Wege. Einladung zu einem Abend mit Don Giovanni": Michael Kaiser (Sprecher), Stefan Grunwald (Bariton), Olaf Joksch (Klavier).

    16. Dezember, 17:00 Uhr in der Kath. Pfarrkirche St. Marien, Bieberer Straße 55: Wolfgang Amadeus Mozart, Missa C-Dur KV 317, “Krönungs-Messe”. Mainzer Domchor, Solisten und Orchester des Staatstheaters Mainz. Leitung: Mathias Breitschaft



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    Stand 2.6.2016
     
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