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Herodot (484-420 v. Chr.): Über Ägypten

"Die Heilkunst ist aufgeteilt. Jeder Arzt behandelt nur eine bestimmte Krankheit, nicht mehrere, und alles ist voll von Ärzten. Da sind Ärzte für die Augen, für den Kopf, für die Zähne, für den Leib und für innere Krankheiten."
           [Historien 2, 84]

Praetorius, Frank

1.) Evidenzbasierte Medizin: Aufwertung der Hausärzte ist nicht so falsch

Deutsches Ärzteblatt 99, Ausgabe 19 vom 10.05.2002, Seite A-1291
 

Zu Politik: Kommentar „Konflikt ist lösbar“ von Prof. Dr. med. Franz Porzsolt und Prof. Dr. med. Bernhard Strauss in Heft 12/2002:

Die Fähigkeit, „Entscheidungen im Zustand der Unentschlossenheit zu treffen“, wird von Porzsolt und Strauss zu Recht als Teil der ärztlichen Kunst bezeichnet.(1) Sie sei bei wenig belegten Therapien besonders gefragt. Ebenso wichtig bei der Ausbildung junger Ärzte sei die Erziehung zum „Zweifel am Nutzen unzureichend gesicherter Maßnahmen“. Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen, sofern dabei auch die methodischen Zweifel an der Evidenzbasierten Medizin (EbM) selbst nicht zu kurz kommen, wie sie etwa von Rogler und Schölmerich und uns (Praetorius und Sahm 2001) kürzlich dargelegt wurden.

Aber wo sind die statistisch gesicherten Ergebnisse der von den Autoren angesprochenen „wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der EbM“, nach denen es „unmöglich ist, beide Fähigkeiten, das Vertrauen in eine Versorgungsleistung und die kritische Beurteilung dieser Versorgungsleistung, in einer Person zu vereinigen“? Die Autoren wollen auf dieser Basis den weitreichenden und eigentlich politischen Schluss akzeptieren, dass es eine Zweiteilung der medizinischen Versorgung mit „verschiedenen Wegen der Sozialisation des Arztes“ geben müsse, eine Koppelung beider (Praktiker versus Theoretiker) sei nicht möglich.

Als Kardiologe habe ich erfahren müssen, dass auch ausden Fehlern ausschließlicher Spezialisierung zu lernen ist. Die diagnostische Relevanz und die Prävalenz anamnestischer Angaben ändert sich mit dem Abstand vom Hausarzt, und die Resultate diagnostischer Methoden hängen in der Praxis (nicht nur in der Forschung) von der Stichprobe ab, in der sie durchgeführt werden (vergleiche das Bayes-Prinzip). Wir müssen zugeben, dass die gesundheitspolitischen Bestrebungen im Sinne einer Aufwertung der Hausärzte gegenüber den Spezialisten nicht so falsch sind, wie entgegenstehende wirtschaftliche Interessen manchmal hören lassen. Das wäre eine gesündere Zweiteilung als die von Porzsolt und Strauss angestrebte. Die Beobachtungen während ihrer Kurse – „Die Studenten in Jena haben uns in der Annahme bestärkt . . .“ (!) – verführen zu dem Fehlschluss (naturalistic fallacy), es müsse auch so sein wie beobachtet. So etwas kann jedem passieren, aber es ist keine EbM.

Dr. med. Frank Praetorius, Lauterbornweg 27, 63069 Offenbach/ Main

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2.) Evidenzbasierte Medizin: Interessenkonflikte bei Autoren medizinischer Leitlinien: "Ausbalancieren" von "sekundären Interessen"?(2)

"Derzeit existiert (dazu) kein Goldstandard … Die Mitgliedsfachgesellschaften der AWMF … erproben experimentell in laufenden Leitlinienprojekten verschiedene Vorgehensweisen. Dazu gehören die Differenzierung der Ausprägung von Interessenkonflikten, die entsprechende Einschränkung des Einflusses Einzelner, die Hinzuziehung neutraler Methodiker und die externe Begutachtung oder öffentliche Konsultation." (R. Kreienberg und I. B. Kopp, Ständige Kommission "Leitlinien" der AWMF, Düsseldorf)

"Dem Fazit von Prof. Porzsolt, dass sich Interessenkonflikte durch ein "Ausbalancieren" verschiedenster Interessen kontrollieren lassen, können wir dagegen nicht zustimmen. Bei Interessenkonflikten geht es definitionsgemäß darum, dass von den jeweiligen Entscheidungsträgern ein primäres Interesse (zum Beispiel Wohl des Patienten, zuverlässige Forschungsergebnisse) vorausgesetzt wird und ein Risiko besteht, dass die Entscheidungen durch andere (sekundäre) Interessen unangemessen beeinflusst werden. Die Vorstellung, verschiedene sekundäre Interessen "auszubalancieren" widerspricht diesem Konzept." (T. Langer, L. Fishman und G. Ollenschläger, Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ))

(1) vgl. auch F. Porzsolt, "Teaching Evidence-based Medicine", Seite 35-44 in ter Meulen et al (2005) "Evidence-based Practice in Medicine and Health Care"
(2)Deutsches Ärzteblatt 110 (2013): 286-87. Diskussion.

Stand 27.12.2014