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amazon-Rezension 2012   



Palstek 6/2000 (November-Dezember, Seite 136-137)

 

An Bord leben ist gesund.  Se­geln sowieso.  Diese Meinung vertritt auch Dr. med.  Frank Praetorius, Autor des Buchs Gesund an Bord.  Der Internist und Kardiologe hat auf seinen Segeltörns mittlerwei­le rund zehntausend Seemeilen ab­gespult und weiß, wovon er spricht.  Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass unterwegs mal ein Crewmitglied erkrankt.  Und Unfälle passieren auf Fahrtenyachten genauso wie andern­orts.  Mit einem Unterschied: Der nächste Arzt ist meistens weit weg.  Umso wichtiger ist es, dass man sich dann zumindest provisorisch selbst helfen kann: "The crew must be the doctor", wie die Amerikaner sagen.

Im ersten Teil dieser Gesundheitsfibel geht es um die richtige Vorbereitung auf den Törn, um Vorbeu­gungsmaßnahmen und Notfallbehandlungen und um das leidige Thema Seekrankheit.  Der Autor gibt Tipps für die Zusammenstellung der Bordapotheke, zu Reiseversicherungen und Impfungen.  Und da Vorsorge stets besser als Nachsorge ist, erfährt der Leser hier auch die wichtigsten Regeln zur Unfall– und Brandverhütung.

Im Kapitel über Erste Hilfe beantwortet Praetorius folgende Fragen: Was mache ich bei Knochenbrü­chen, was bei Verbrennungen?  Wie erkenne und behandle ich einen Kreislaufschock, wie einen al­lergischen Schock?  Dabei unterscheidet der Autor grundsätzlich zwischen dem Wissen, das für eine Diagnose erforderlich ist, und dem, das eine sinn­volle Erstversorgung ermöglicht.

Der zweite Teil des Buches handelt von konkreten Unfall- oder Verletzungssituationen an Bord: Was tun bei einem Sonnenstich oder bei Unterkühlung?  Was, wenn jemand in einen Seeigel getreten oder von einer Seeschlange gebissen worden ist?  Der segelnde Arzt beschreibt die wichtigsten Verletzun­gen an Kopf Rumpf, Armen und Beinen ebenso wie die häufigsten Atem-, Kreislauf-, Verdauungs- und Stoffwechselstörungen.  Ein eigenes Kapitel ist den häufigsten Infektionen und Tropenkrankheiten ge­widmet.  Dabei hält der Autor die sinnvolle Tren­nung in Basisinformationen, Erkennungs- und Be­handlungsmöglichkeiten konsequent durch.

Im letzten Teil des Buches geht es um Psychologie.  In einem kurzen Kapitel gibt die Frau des Autors Tipps für die optimale Zusammensetzung der Crew, eine sinnvolle Aufgabenverteilung an Bord und das richtige Verhalten bei (See-)Krankheit und Unfällen.  Denn die Autorin ist der Meinung, dass allein durch gute Bordpsychologie ein Teil der schlimmsten Situationen vermieden werden kann.  Fraglich bleibt, ob dieses bestimmt nicht unwichtige Thema auf acht Seiten wirklich zufrieden stellend abgehandelt werden kann.

Es kann jedoch nicht schaden, dieses Kapitel, genauso wie den ersten Teil des Buches, vor Törn­beginn durchzulesen.  Der Rest hingegen, und das empfiehlt auch der Autor, kann bei Bedarf in Ruhe nachgeschlagen werden.  Das Stichwortverzeichnis hierzu könnte etwas ausführlicher sein.  Nach dem Begriff Quetschung wird man dort zum Beispiel vergeblich suchen.  Ansonsten bemüht sich der Autor um eine auch für Laien verständliche Sprache.  Der Text ist gespickt mit eigenen Anekdoten, durch sie wird das gesamte Buch gut lesbar.  Praetorius zeigt an manchen Stellen Alternativen zu der schnellen Einnahme von Medikamenten auf, und man erfährt als Leser: Was kann ich tun?  Wo sind meine Grenzen?  Und wo sollte ich sie ziehen, sofern ich über Funk ärztliche Hilfe rufen kann?

Auch wenn das Buch einen Erste-Hilfe-Kurs nicht ersetzen kann, sollte es an Bord nicht fehlen.


Dr. med.  Frank Praetorius: Gesund an Bord, 204 Seiten, 15 Farbfotos, 24 zum Teil farbige Abbildungen, Format 24,5 x 17,5 cm, Pietsch Verlag, Stuttgart 1999, 49,80 Mark.





Amazon - Kundenrezension 12.8.2012

Für die längere Küstenfahrt, d. h. wenn Funkkontakt besteht und der nächste Arzt in 2-3 Tagen erreicht werden kann, ist dieses Buch genau richtig. Ich habe mir alle im deutschen Markt verfügbaren anderen Bücher angesehen. Nach meiner Meinung sind sie entweder nur für "die kleine Wunde am Knie oder die Halsschmerzen" geeignet, oder für die extreme Langfahrt, da viel zu detailliert. [Autorin: "Sabine"]