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Dtsch Med Wochenschr. 1999 Aug 27;124(34-35):998-1002
Importierte Anopheles: Im Gepäck oder aus dem Flugzeug? Ein Fall von schwerer autochthoner Malaria tropica in Flughafennähe.

Praetorius F, Altrock G, Blees N, Schuh N, Faulde M

Medizinische Klinik I, Städtische Kliniken Offenbach am Main.

Als Zusammenfassung ist der Bericht der „Ärztezeitung“ vom 11.10.1999 geeignet:

Frau an Malaria tropica erkrankt, obwohl sie nicht in einem Endemiegebiet war

Malaria-Überträger im Reise-Gepäck?

Offenbach am Main (ple). Gerade in der Nähe von Flughäfen muß daran gedacht werden, daß bei Patienten mit der Diagnose "Fieber unklarer Genese" die Möglichkeit besteht, daß es sich bei der Erkrankung um eine importierte Malaria handelt.

Über eine solche Fallgeschichte berichten Professor Frank Praetorius und seine Kollegen von den Städtischen Kliniken in Offenbach am Main. Die Ärzte hatten eine 67jährige Frau, nachdem diese vorübergehend periphere Paresen hatte, mit unklarem Fieber stationär aufgenommen. Die Patientin war zuvor nicht in einem Malaria-Endemiegebiet gewesen. Innerhalb von vier Tagen entwickelte sich bei der Frau ein Sepsis-Syndrom mit akutem Versagen von Leber und Lunge. Erst am neunten Behandlungstag gelang es nach wiederholtem Blutausstrich, die Diagnose Malaria tropica zu stellen. In den Knochenmarkausstrichen vom dritten Behandlungstag konnten jetzt auch die Krankheitserreger nachgewiesen werden, die zu dem frühen Zeitpunkt selbst von zwei erfahrenen Untersuchern nicht erkannt worden sind (DMW 124, 1999, 998). Wie könnte sich die Patientin, die in der Einflugschneise eines internationalen Flughafens lebt, mit dem Malaria-Erreger infiziert haben?

Nach Angaben der Kollegen aus Offenbach könnte die Frau durch importierte lebende und infektiöse Anopheles-Mücken, und zwar im Reisegepäck eingeschleppte weibliche Malariamücken, infiziert worden sein. Denn in dem Krankenhaus, in dem die Patientin innerhalb der möglichen Inkubationszeit mit Verdacht auf einen zerebralen Insult stationär behandelt worden war, wurde auf der Nachbarstation ein Patient mit Malaria tropica betreut. "Dieser Patient, der kurz zuvor aus einem kenianischen Hyperendemie-Gebiet zurückgekommen war, könnte Anopheles-Mücken im Reisegepäck oder in der Kleidung mitgebracht haben", so die Offenbacher Ärzte. Eine von der Weltgesundheitsorganisation für die Ausreise aus Kenia vor dem Abflug vorgeschlagene Flugzeugdesinfektion zur Bekämpfung der Überträger-Insekten war nicht erfolgt.

Correspondence and offprint requests to Dr. Frank Praetorius


Flugmedizin · Tropenmedizin · Reisemedizin - FTR       Abstract

Aus: Ferne Inseln im Südpazifik Santa-Cruz-Inseln - Tikopia - Anuta: Segelreise mit medizinischen Akzenten.

Praetorius, Frank

Offenbach am Main.

2010: Malaria tropica an Bord, erworben auf Vanuatu

Malaria Solomon Islands, 8.11.2010, 10° 59,7' S / 165° 49,6' E: "Schüttelfrost, hohes Fieber (40,8°), und sonst nichts" - was kann das sein? Im Interesse des schwerkranken Udo musste ich die von mir oft gestellte Examensfrage zur Diagnose bestimmter Infektionen und anderer Krankheiten nun selbst beantworten, und zwar mit einfachsten Mitteln. Das Fehlen weiterer Symptome beim Betrachten, Abhören und Tasten, keine ‚Erkältung' oder Schmerzen - und fast isoliert hohes Fieber führt in den Tropen zur Anhiebsdiagnose "Malaria". Auf hoher See müsste man bei dieser Konstellation sozusagen "blind" mit der Behandlung loslegen (spätestens nach etwa 12 Stunden). Besser war es, die Diagnose nach 17 Meilen im Hospital von Lata auf Nendo (Santa Cruz-Inseln) bestätigen zu lassen. Der polynesische Kollege Dr. Simon Salopuka notierte Diagnosealternativen wie Virusinfekte und den in den Ost-Salomonen und Banks-Inseln verbreiteten Scrub Typhus (auch als "Tsutsugamushi-Fieber" bekannt). Der Malaria-Schnelltest* ergab eine Doppelinfektion mit Plasmodium falciparum und vivax, also Malaria tropica und tertiana.

Sofort begann die Behandlung mit Artemether/Lumifantrine (Coartem®, Riamet®), und nach 12 Stunden war der Fieberspuk komplett vorbei. Die Anopheles-Mücke hatte Udo sechs Tage vorher - das ist die knappest-mögliche Inkubationszeit - erwischt, unmittelbar nachdem er unseren Katamaran in zwei Tagen aus dem malariafreien Neukaledonien nach Port Vila auf Efate/Vanuatu überführt hatte.

"In der Stadt gibt es keine Malaria" war die Auskunft eines Reisefachmanns. Auch nicht in der Regenzeit? Leider doch: Unmittelbar neben dem Anlegeplatz befindet sich der große Markt der Insel, der von den Bauernfamilien Tag und Nacht unter den Verkaufstischen bewohnt wird - reichlich Platz für mitgebrachte Mücken. Wir lernten: Die an den folgenden Tagen im tropischen Norden praktizierte Prophylaxe mit DEET (z. B. Nobite®) wäre schon am ersten Abend höchst sinnvoll gewesen!

Segelreise siehe unter "Törns".

Correspondence and offprint requests to Dr. Frank Praetorius