Weitere Arbeitsgebiete
Malaria • LungenembolieBartter–SyndromErkrankungen durch ArzneimittelPharmaindustrie

Malaria (siehe auch in "Reisemedizin")

1. Praetorius F, Altrock G, Blees N, Schuh N, Faulde, M:
  Acute renal failure after an unusual mode of infection with falciparum malaria ('baggage malaria').

Nephrol Dial Transplant (2001) 16: 628–630   [Free Full Text]  

2. Praetorius F, Altrock G, Blees N, Schuh N, Faulde M:
  Importierte Anopheles: Im Gepäck oder aus dem Flugzeug? Ein Fall von schwerer autochthoner Malaria tropica in Flughafennähe.

Deutsche Medizinische Wochenschrift – Aktuelle Beiträge. Ausführliche Fassung in: Dtsch. med. Wschr. 124 (1999), 998–1002 PDF [Article in German. Abstract] [Zusammenfassung]

    Manchmal ist "Dran–Denken" allein nicht ausreichend, sondern ein gewisses Beharrungsvermögen gefragt:
    Gegen klinische "Sicherheit", für "unwahrscheinliche" Diagnosen. Hier war es das Durchsetzen des Blutausstrichs (mit Trophozoiten = typische Siegelringformen von Plasmodium falciparum) gegen die fehlende Reiseanamnese.
    (siehe aktuelle Leitlinie, Ausnahmen)
2012 erinnnerte sich der Redakteur der "DMW" V. Hirschel in seinem Leitartikel in Heft 17: Über eine neu aufgetretene Malaria tropica bei einer Patientin, die selbst nie verreist war, aber in der Nähe des Frankfurter Flughafens wohnte, wurde in dieser Wochenschrift bereits berichtet. Seit diesem Artikel sind 13 Jahre vergangen. Nicht vergangen sind jedoch die Mitfahrgelegenheiten für Krankheitserreger aller Art. ... (Zitat siehe oben unter 2.).

Lungenembolie

3. Praetorius F:


Bartter–Syndrom

4. Praetorius F, Alexander M:

  Zur Abgrenzung des "Bartter–Syndroms". Ein Fall von Angiotensinresistenz der Gefäße, erhöhtem Plasmarenin, erhöhter Aldosteronsekretion und anovulatorischem Menstruationszyklus.
On the delimitation of Bartter's syndrome. A case of angiotensin-resistant vessels, increased plasma renin, increased aldosterone secretion and anovulatory menstrual cycle.

Dtsch. Med. Wschr. 92, 1022 – 1027 (1967) PDF

[Article in German.
Abstract]

Abb.: Bartter–Syndrom (Frederic Bartter 1962): 1967 nahm man als pathophysiologischen Mechanismus eine konstante Stimulierung der reninbildenden Zellen infolge Angiotensin–Resistenz der Gefäße an. Nach aktueller Auffassung (2008) liegt beim klassischen Bartter-Syndrom (Typ 3) ein hereditärer (autosomal rezessiver) Defekt des CLC-K2b – Chloridkanals im dicken aufsteigenden Teil der Henle-Schleife (TAL) vor, der den tubulären Salzverlust mit nachfolgender hypokaliämischer und hypochlorämischer metabolischer Alkalose wie bei unserer Patientin herbeiführt.

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Aus: Praetorius und Alexander (1967)
Diese Darstellung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) gilt auch nach 45 Jahren. In der Evolution ermöglichte das RAAS ein Überleben unter Bedingungen extremen Wasser- und Salzmangels, indem es die Nierendurchblutung, die Rückresorption von Salz und Wasser und generell den Perfusionsdruck der Organe fördert. Mechanismen sind die Volumenexpansion (über Aldosteron und Adiuretin), die Erhöhung des peripheren Gefäßwiderstands, auch die Produktion endothelialer Proteine (eNOS!). Ohne die evolutionären Bedingungen (also heute) entwickelt das RAAS gesundheitsschädliche Seiten (Thomas Unger, 11/2011). Zum RAAS vgl. auch die Texte zu Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern.




Erkrankungen durch Arzneimittel

5. Praetorius F:

Arterielle Hypotonie und Schock.
In: Erkrankungen durch Arzneimittel (Kap. 8)


Hrsgb. K. H. Rahn, 3. Auflage, Stuttgart–New York, Thieme 1984,
p. 230 – 247

(Kopie oder PDF von Kap. 8 auf Wunsch   )
[Book in German. No abstract available]
Textprobe: Allergischer Schock (dort Anweisung für Patienten: Rasches Handeln für Laien bei Allergischem Schock; Stand 2008-2014)

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Abb. 8.1 Arzneimittelschock
Anaphylaktischer Schock:
   A. Typ-I-Reaktion,
   B. Immunkomplex- bzw. Aggregat-
      Anaphylaxie
Anaphylaktoider Schock:
   C. Stimulierung des
       Lipoxygennaseweges
   D. Direkte Mastzellaktivierung
    Abb. 8.1, 1984 entstanden. Eine schematische Dartellung, die nach 25 Jahren noch aktuell ist. Die aktuelle Beschreibung durch Johannes Ring (2006) trifft den Sachverhalt präzise: "Die klassische anaphylaktische Reaktion wird durch Immunglobulin-E-Antikörper auf der Oberfläche von Mastzellen und basophilen Leukozyten vermittelt. Nach Brückenbildung von einem mindestens bivalenten Allergen kommt es zur Sekretion von vasoaktiven Mediatorsubstanzen, deren wichtigste und bestuntersuchte Histamin ist. Daneben werden andere Botenstoffe, wie Eikosanoide (Prostaglandine, Leukotriene), plättchenaktivierender Faktor (PAF) sowie Enzyme (z. B. Tryptase, Chymase) und Zytokine freigesetzt. Diese Substanzen führen in der Endphase der Reaktionskette zu Mikrozirkulationsstörungen mit postkapillarer Exsudation, Abnahme der Durchblutung, des Kapillardrucks und zum Schock." (2008 siehe DMW 133:S 67-72), Röntgenkontrastmittel siehe BMJ 2006
Der Begriff "Anaphylaxie" wurde 1902 von den französischen Forschern Charles Richet und Paul Portier in Paris eingeführt. Beim Versuch, Hunde gegen die Gifte von Seeanemonen zu immunisieren, trat bei einer Wiederholungsinjektion ein tödlicher akuter Schock auf. Richet suchte nach einem Namen für die Entdeckung: "C'est un phénomène nouveau, il faut le baptiser!". Eigentlich wäre "Aphylaxie" - "ohne Schutz" - treffend gewesen. Doch sein Begriff "Anaphylaxie" setzte sich durch und Richet erhielt für diese Beobachtung 1913 den Nobelpreis.
Portier P, Richet C (1902) De l'action anaphylactique de certains venins. C R Soc Biol 54:170
Aus dem Kapitel Kreislaufschock (F. Praetorius, p. 230 ff.):

Die Symptomatologie der verschiedenen Schockformen kann im Verlauf rasch einheitlich werden. Lediglich in der Anfangsphase zeigt der Schock noch Grundzüge der auslösenden Erkrankung. Oft nur in dieser Phase besteht eine Chance zur Erkennung des medikamentös bedingten Schocks, wobei die Pathogenese (allergisch – nichtallergisch – toxisch) eine untergeordnete Rolle spielt, da rasches Handeln entscheidend ist. Die Diagnose ist erschwert, wenn die zum Schock führende medikamentöse Therapie durch eine Grunderkrankung notwendig wurde, bei der Schocksymptome nicht selten vorkommen (z. B. Myokardinfarkt, gastrointestinale Blutung). Besonders in einer Intensivstation ist es deshalb zweckmäßig, die allgemeinen Schocksymptome (u. a. Blutdruckabfall, Tachykardie, "kalte Peripherie", Anurie, Dyspnoe, Erbrechen, Unruhe) von den Hinweisen zu trennen, die an einen medikamentös ausgelösten Schock denken lassen: s. Tab. 8.1. Neben den in der Tabelle genannten Hinweisen gelten abnorme Geschmacksempfindungen (vor allem zu Anfallsbeginn), Durchfall, Erbrechen, sehr selten Parästhesien und Schwindelgefühle als relativ "spezifisch".
Weiterlesen? Textprobe "Allergischer Schock" (als Ursache auch Insektenstiche, Nahrungsmittel, Pollen etc.).




6. Praetorius F:
  Ärztebesucher als Quelle der Arzneimittelinformation.
arznei–telegramm 5 (1994), 67–68 und arznei–telegramm 5 (1994), 46–47 (Auszug) PDF

... meine Empfehlungen im "arznei–telegramm" mögen hilfreich sein, aber reichen natürlich zur Vorbeugung von Erkrankungen durch Arzneimittel nicht aus.
2007 - nach der Gesundheitsreform - bahnte sich eine neue Entwicklung an: Der Pharmamarkt schrumpfte, auch 2012 um 3 %. Der von Booz Allen seit 2007 prognostizierte drastische Abbau im Außendienst der Pharmahersteller um mindestens 8000 Mitarbeiter - künftig nur noch 14.000 - ist für die Kliniken und Praxen fühlbar eingetreten. Die Hauptgründe: Auslaufende Patente und die Gesundheitsreform bedrohen massiv den Berufsstand des Pharmareferenten. Ärzte haben aufgrund der Gesundheitsreform immer weniger Zeit für den Außendienst". Die moderne technische Disziplin des "E-Detailing" - so scheint mir - ist weitgehend an die Stelle des Pharmavertreters getreten
.

Aktuell zur Pharmaindustrie:
  • Die Mehrzahl der medizinischen Tagungen und Fortbildungen werden von der Pharmaindustrie gesponsert. Bei großen Kongressen fließen üblicherweise 5-stellige, manchmal sogar 6-stellige Euro-Beträge von einzelnen Firmen. Das Forum "Bioskop" gibt einen Transparenz-Kalender für das aktuelle Jahr heraus. Man lese den Umfang der Unterstützung beim Internistenkongress 2015!
  • FAZ, 19.9.2014: Ein Gericht in China hat den britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) wegen Korruption zu einer hohen Geldstrafe (300 Mill. Euro) und den ehemaligen China-Chef des Unternehmens zu einer Haftstrafe verurteilt. Sie hatten seit sechs Jahren über Mittelsmänner in Reisebüros und Beratungsunternehmen mehrere Milliarden Yuan an Bestechungsgeldern an Ärzte, Krankenhausmitarbeiter oder hohe Beamte gezahlt. Das Unternehmen sich bei Patienten, Ärzten, der chinesischen Bevölkerung und der Regierung entschuldigt.
  • Das Ende der Blockbuster seit 2012 ist einer der zentralen Trends (MSL 2014): Massiver Kostendruck in den Gesundheitssystemen, das Ende der Blockbuster-Phase der Pharmaindustrie sowie die damit verbundene Suche nach neuen Geschäftsmodellen.
  • "... und seitens der Industrie immer mehr der Lehrstuhlinhaber als Marketinginstrument angesehen wird." (Prof. Dr. Peter Paul Nawroth in "Lebensbilder", Dtsch Med Wochenschr 11.5.2007, Nr. 19:1074; vgl. dazu M. Wehling)
    Erläuterung: Es ist " für die Marktvorbereitung interessant, Forschungsaktivitäten einzelner Lehrstuhlinhaber aktiv zu unterstützen, damit sich diese bereits vor der Zulassung mit der neuen Substanz vertraut machen, Kompetenzträger werden und später als Meinungsbildner aktiv in Marketingaktivitäten eingebunden werden können" (Solbach MC, St.Gallen 2000) - als "Opinion Leaders", oder salopp "Mietmäuler" oder "habilitierte Pharmareferenten". Peter Schönhöfer (aktuell Herausgeber des Arzneitelegramms) konstatiert 2013:"Die Käuflichkeit von Experten ist weltweit das gravierendste Korruptionsproblem im Gesundheitsbereich."
  • "Je tiefer ich in den pharmazeutischen Dschungel eindrang, desto klarer wurde mir, dass mein Roman, verglichen mit der Wirklichkeit, ungefähr so harmlos ist wie eine Urlaubspostkarte." John Le Carré, Nachwort zu "Der ewige Gärtner" 2001 (engl. "The Constant Gardener" 2000). In dem gleichnamigen Film (Januar 2006) spielt die kleine kritische Gruppe "Hippo" eine wichtige Rolle; die Vorlage für Hippo ist die BUKO–Pharma–Kampagne (vor gut fünf Jahren besuchte John le Carré die Kampagne in Bielefeld).
  • Seit 2006 No free lunch-Kampagne, deutsch MEZIS "Mein Essen zahl' ich selbst"
  • Novartis hat die Patentklage (seit 2006) gegen Indien vor dem obersten Gericht des Landes verloren! Das so genannte "Evergreening", also die Verlängerung des Patentschutzes aufgrund nur minimaler Veränderungen am zuvor patentierten Wirkstoff, wurde unwirksam (DIE ZEIT 4/2013).
  • zur Frage der Verantwortung siehe Medizinethik
  • Siehe auch im Abschnitt "evidenzbasierte Medizin", zu Transparenz und Korruption in "actualia".

    Stand 05/2016

    Liste weiterer Veröffentlichungen unter Publikationen.


     
    www.frank-praetorius.deDr. Frank Praetorius, Lauterbornweg 27, 63069 Offenbach am Main, Germany, Phone +49 (69) 84 34 45, Fax +49 (69) 83 83 78 03      E-Mail: frank.praetorius@gmx.net